Nick Grossmann

Color Bombz

Deutsch

Eine analoge Serie über die Graffitis in Berlin.

Großmann stellt in seinen Aufnahmen von Graffitis unterschiedlicher Standorte Berlins eine Form der Einladung an die BetrachterInnen. Im politisch und sozialkritischem Kontext (heraus) les- und deutbar versteht er diese als eine Art Hilferuf der Berliner Jugendkultur, welche in Wahrnehmung der Öffentlichkeit oftmals als jugendlicher Vandalismus inhaltliche Ab- und Umwertung erfahren. Seine persönliche Auswahl an Schriftzügen, Bildern und Formen negiert diese Besetzung mit einer konkreten Ansage zur Wertung der Graffitis als künstlerische Ausdrucksform urbaner Kultur und wird somit zum Träger appellierenden Aufzeigens. Eine verkümmerte Wahrnehmung der Graffitis im Stadtraum begründet sich nicht zwingend durch eine explizit ablehnende Haltung. Die visuelle Übersättigung versperrt unsere Betrachtung schon im Vorhinein. Ein flüchtig vorbeistreifender Blick bedingt ein vorschnelles Urteil durch formal-ästhetische Kriterien. Großmann lässt uns mit Color Bombz den Schritt des Registrieren der Graffitis im öffentlichen Raum übergehen und beweist uns, dass es lohnt im Zuge der Ausstellung genauer hinzusehen. Geboten wird somit eine Möglichkeit zur Konfrontation, des Verharren und weckt unsere Lust am Entschlüsseln und Identifizieren. Hinsichtlich unterschiedlicher Standorte, Motive, Topografien, Techniken und Oberflächen(-Behandlungen) wird ein breites und vielseitiges Spektrum der Berliner Graffitis erfasst und lässt ein vielleicht in Vergessenheit geratenes Potential neu aufleben. Zwischen Statements, welche politische und soziale Diskrepanzen visualisieren, skizzenhaften Zeichnungen stoßen wir auf bekannte, sich an mehreren Berliner Standorten wiederholende Graffitis, wie beispielsweise von 1Up. Und neben einem graustufigen Porträt von Vhils, welches er durch Abklopfen einer zuvor aufgetragenen weißen Putzschicht entstehen lässt, entdecken wir herzliche Aufforderungen wie „Pups mal“ oder expulsive Formen, aufgetragen mit Hilfe farbgefüllter Feuerlöscher. Begreifen wir die Aufnahmen als eine Art Hilfestellung zur Renovierung unserer Betrachtungsgewohnheiten so sehen wir auch die Vermittlung eines Freiheits- und vielleicht Aufbruchsgedankens und realisieren Graffitis als Medium des Sichtbarmachens der Stadt respektive ihrer Bewohner in einem Bild von, für und gegen die Stadt.

English

An analog series about the graffiti in Berlin

Grossmann presents in his photographs of graffitis different locations in Berlin as a form of invitation to the viewer. In politically and socially critical context (throughout) readable and interpretable he sees this as a kind of cry for help of the Berlin youth culture, which often find discounts and substantive re-evaluation in the public perception as juvenile vandalism. His personal selection of writings, images and forms negates this occupation with a concrete message to the opening of graffiti as a form of artistic expression of urban culture and thus becomes the carrier appealers information to 'name. A stunted perception of graffiti in the city area is based not necessarily by an explicitly negative attitude. The visual oversaturation obstructed our study already in advance. A cursory glance over grazing caused a rash judgment by formal-aesthetic criteria. Grossmann lets us skip the step of registering the graffiti in public spaces with Color Bombz and proves to us that it is worthwhile to look more closely in the course of the exhibition. Commandments is thus a way of confrontation, the persistence and awakens our desire to decrypt and identify. With regard to different locations, designs, topographies, techniques and surfaces (treatments) capture a broad and versatile range of Berlin graffiti and reviving a perhaps forgotten potential new. Interim Statements, visualize what political and social discrepancies, sketchy drawings we encounter, repeating at several locations in Berlin, such as the ones done by 1Up. And next to a grayscale portrait of Vhils, which he creates by tapping a previously applied white coat of plaster, we discover cordial prompts like "Fart times/Pups mal" or expulsive forms, applied by means of color-filled fire extinguisher. We see the shooting as a sort of assistance for the renovation of our viewing habits so we also see the presentation of a freedom and perhaps awakening thought and realize graffiti as a medium of visualizing the city respectively its inhabitants in an image of, for and against the city.